Der Köbes
Der Köbes ist ein Unikum in einem kölschen Bier- und Brauhaus. Er vereint viele Seelen in seiner Brust und hat doch nur eine. Man sollte es sich nie mit einem Köbes verderben, denn er schafft das sich herbei, wonach der Gast sich sehnt: das leckere Kölsch. Der Köbes ist Vater und Mutter, Seelsorger und Psychotherapeut, Arzt und Freund, alles zusammen in einer Person. Ihm ist der Kölsche genauso viel wert, wie der Immi. Er weiß, was dir fehlt, und er weiß, wann du zuviel hast. Er nimmt dir das Geld ab und ist trotzdem grundehrlich. Ursprünglich waren die Köbesse die Pooschte, die Burchen, die Brauerei-Lehrlinge. Sie hatten nicht nur das Brauen zu lernen, sondern auch in der Schankstube ihren Dienst zu versehen, und dort lernten Sie den Umgang mit den Mitmenschen. Die kölschen Brauer waren seit alters her der Religion, der Kirche sehr verbunden. Die Brauherren waren meist wohlhabend und spendeten der Kirche gerne gutes Geld. Nun gehört zum Leben eines religiösen Menschen nicht nur der Besuch der Messe am Sonntag, sondern auch die Wallfahrt. Da Kevelaer und Nerviges recht nah und nicht exklusiv genug waren, pilgerten die reichen Kölner gerne nach Santiago de Compostella in Nordspanien, nahmen den Jakobsweg, auf dem Sie als Belohnung eine Jakobsmuschel erhielten. Die reichen Brauherren konnten diesen langen Weg per Kutsche erledigen. Aber ihre Lehrlinge wollten es ihnen gleichtun. Nur hatten sie kein Geld. Lehrjahre sind ja bekanntlich keine Herrenjahre. Und so mussten Sie von Etappe zu Etappe hangeln und sich auf dem weg ihr Geld verdienen. Sie verdienten sich dann einige Zeit in Wirts- und Gasthäusern und erledigten dort die Arbeit, die sie von Zuhause kannten: das Bedienen. Und so hieß es eines Tages in Köln: "Na Jung, jehs de weder Köbesse?" - Geld verdienen ? Das "Köbesse" koppelte sich im laufe der Zeit von der frommen Übung ab, ist aber dem Köbes als dienendes Faktotum in der Berufsbezeichnung erhalten geblieben.
Was der Köbes am Leib hat, das gehört ihm. In früheren Zeiten war es das blaue, wollene Kamisol, der blaue Wollpullover, gefärbt mit kölchem Blau -  damals Waidblau, vom Waidmarkt, am Blaubach gefärbt. Blau war ja schon immer die Farbe des arbeitenden Mannes: Blue Jeans oder Blaumann. heute trägt der Köbes gerne ein helles Hemd. Dem Köbes gehörte die Lederschürze, die die Hose davor bewahrte, vom Fässerschleppen zerschlissen zu werden. Was ihm nicht gehörte, früher, das war die Geldkatze, das Portemonnaie. Die gehörte der Geschäftsführung im Kontörchen. Die Köbesse sind die grundehrlichsten Menschen auf der ganzen Welt - heute. Damals war das vielleicht einmal anders, denn es gab in einem kölschen Brauhaus einen Begriff: "Schnall aff!!" der Geschäftsführung im Kontörchen musste die Geldkatze in null Komma nix dort liegen. Der Köbes bekam einen roten Kopf, der Gewinn war fort, perdu. Er konnte nach Hause gehen, a tschüß. Wenn er am nächsten tag wiederkam und die Geldkatze zurückerhielt, war das Ganze vergeben und vergessen. Bekam er sie nicht zurück, war er fristlos entlassen.

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